Flowerpower, Hippies, Human Potential oder Geschäftemacher und Sekte ? Zehn Jahre lang habe ich mich mit dem Namen Esalen® beschäftigt, habe massiert, erklärt, vermutet und versucht, die Esalen Essenz in der Körperarbeit zu finden. Schweizerin aus vollem Herzen, Esalen Masseurin als Wunschberuf – nun war es einfach an der Zeit, das „echte“ Esalen in den USA zu erkunden und an Leib und Seele zu erfahren.

Workscholars sind vier Wochen lang Teil der Esalen Familie am Highway 1. Sie sind sowohl Arbeitskräfte in Küche, Lodge und Garten und zugleich auch Studenten. Ich habe mich für John Smith’s Programm entschieden: Songsmithing – Lieder schreiben und singen. Ich liebe es, zu singen. Wider Erwarten war das Singen vor der Gruppe dann doch eine grosse Herausforderung. Unentwegt und mit einer herzlichen Entschlossenheit hat uns unser Lehrer John gelobt, bekräftigt, Mut gemacht und gefordert. Erstaunlich, wie er aus jedem von uns Beste herausgeholt hat. Eigene Lieder sind eigene Geschichten, Gefühle und tiefste Wahrheiten in Melodien ausgedrückt. Lieder sind gesungene Bilder, sind erlebte Emotionen in Gedicht und Ton. Jedes Lied ist ein Geschenk, ist ein Kuss der Muse. Ein Lied will geteilt werden – die Performance ist Nebensache. Und trotzdem, in der vierten Woche hatten wir unseren grossen Auftritt vor der Esalen Gemeinschaft. Was für ein herrlicher Abend mit traurigen Liedern, lustigen Lieder, alleine oder in kleinen Gruppen gesungen und begleitet von einem herzlichen und wohlgesinnten Publikum. Kein Zweifel, geteilte Musik erschafft Gemeinschaft. John hat uns allen gezeigt, wie in einer liebevollen Umgebung die Kreativität keine Grenzen kennt und Angst und Leistungsdruck zur Nebensache werden.

Nun , das Arbeiten war unsere eigentliche Hauptbeschäftigung. Ich war ein „Lodgekeeper“ und eine Küchenhilfe. Seit 2015 wird das Hauptgebäude der Lodge (Küche, Essraum und der grosse Seminarraum) neu erstellt. Kein leichtes Unterfangen, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht und unentwegt mindestens 270 Leute verköstigt werden müssen. Und das alles mit frisch hergestellten Esswaren, vieles geerntet aus dem eigenen grossen Garten. Im Mai soll der Umbau fertig sein – die Küchencrew kann es kaum erwarten.

Amerika ist ein Land der Gegensätze und hat mich immer schon polarisiert. Esalen machte da keine Ausnahme. Kulturschock, Karmaarbeit, Lebensschule, geteiltes Leid, geteilte Freude, grossartige Gemeinschaft, tränenreiche Abschiede – das Spektrum ist gross. Was mich während meines Aufenthaltes immer getragen und zutiefst genährt hat, ist diese unglaublich kraftvolle Natur, der Pazifik, die warmen Quellen. Ganz klar, dass hier Prozessarbeit und Fritz Perls mit seiner Gestalt einen fruchtbaren Boden fand. Das ist deutlich spürbar und wird praktiziert. Jede Woche finden sich die verschiedenen Departments in zwei Stunden „Process“ zusammen. Die Treffen werden durch einen Gestalt Therapeuten begleitet (u.a. auch Perry). Dabei ist es wichtig, die eigene Befindlichkeit in einem gehaltenen Raum wahrheitsgetreu und ehrlich mitzuteilen. Persönliche Probleme, sowie Konflikte untereinander, finden in der Gestaltarbeit Lösungsmöglichkeiten und prägen die gemeinsame Arbeitswelt enorm.

Ich bin mit vielen neuen Ideen und Einsichten in die winterlich kalte Schweiz zurückgekehrt. Ein Teil meines Herzens ist jedoch in Esalen geblieben und ich möchte diesen Monat als Workscholar auf keinen Fall missen. Ich freue mich darauf, Esalen auch als Seminarteilnehmerin zu erleben. Wer kommt mit ? Deutsche Übersetzung garantiert.
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Lili Imboden

Kursorganisation Esalen Massage Ausbildungen Europa

www.esalen-ausbildung.ch